Am 24.6.2019 veranstalteten wir aus dem Projektteam eScouts „Microlearning“ ein Net[t]working-Treffen zum Thema „Referate 2.0“. Dazu luden wir campusweit Interessierte zu einem gemeinsamen fachlichen Austausch bei Kaffee, selbstgebackenen Muffins und frischem Obst ein.

Zum Hintergrund: Wir machen während unseres Studiums immer wieder die Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, ein gutes Referat zu halten. Es kann je nach Größe der Lehrveranstaltung, Tageszeit oder Anzahl der Referate in einer Sitzung sehr schwer sein, die Aufmerksamkeit der Studierenden und auch die der Lehrenden zu halten. Deshalb wollten wir an diesem sonnigen Juni-Nachmittag die Referate an der RUB „revolutionieren“ ;-). Dazu beschritten wir gemeinsam den Weg durch das Referat, um die einzelnen Schritte der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung zu gehen.

Aktivität, um Referate wirkungsvoll zu gestalten

Oftmals stehen die Studierenden vor ihren Kommiliton/innen und präsentieren in einem Monolog die Ergebnisse ihrer Recherche, und die Zuhörenden schalten schon nach wenigen Minuten ab. Wenn man die Aufmerksamkeit der Zuhörenden halten und sie mitreißen will, ist aktive Teilnahme besonders effektiv. Dafür gibt es verschiedene digitale Möglichkeiten, die wir Ihnen, liebe Blog-Leser/innen, gerne knapp präsentieren möchten: Umfragen mit Meinungsabfragen, Schätz- oder Wissensfragen oder das gemeinsame Erstellen von Mindmaps wären z. B. effektive Varianten.

Auch wir haben unsere Net[t]working-Gäste mit zwei Umfragen gleich zu Beginn des Treffens an das Thema herangeführt. Mit der Software Mentimeter, ein Programm, mit dem Echtzeit-Feedback erstellt werden kann, konnten die Teilnehmenden anonym Antworten auf von uns gestellte Fragen geben und diese wurden mit dem Beamer an die Wand projiziert. Vorlesungen, Referate oder Seminarstunden können mit solchen aktivierenden Momenten starten, sie unterstützen, aber auch bei der Abfrage des Wissenstands hilfreich sein oder zur Diskussion anregen.

Nachfolgend können Sie die Rückmeldungen mittels Mentimeter auf unsere zwei Eingangsfragen ansehen:

Die Inputphase: Was ist Microlearning und wie kann es in der Lehre an der Universität eingesetzt werden?

Zuerst beschäftigten wir uns mit der Frage, was überhaupt als Microlearning verstanden werden kann. Beim Microlearning werden Lerninhalte in kleinere Einheiten (sozusagen wie ein Buch in Kapitel und Unterkapitel) aufgeteilt. Microlearning-Einheiten sind dabei zeitlich und inhaltlich fokussierte, interaktive Einheiten. Ihre Bearbeitungszeit sollte maximal 15 Minuten betragen. Diese zeitliche Einschränkung soll es den Lernenden ermöglichen, sich regelmäßig mit den Inhalten auseinanderzusetzen, ohne dass dabei die Aufmerksamkeitsspanne überschritten wird. Wichtig ist: Der Inhalt wird nicht „verstümmelt“, sondern systematisch in kleinere Einheiten aufgeteilt, die von den Lernenden bearbeitet werden können. Der Inhalt wird komprimiert, ohne dass wichtige Informationen verloren gehen.

Auch die interaktive Beschäftigung mit den Einheiten ist wichtig. Es reicht im Sinne des Microlearnings nicht, nur einen Text zu lesen. Wenn sich Lernende im Anschluss an die reine Wissensaufnahme aktiv mit dem Material auseinandersetzen, also Aufgaben lösen, in denen das erlernte Wissen direkt angewendet werden muss, kann das Wissen effektiver im Langzeitgedächtnis verankert werden. Die Lernenden müssen aktiv handeln und selbstständig mitarbeiten.

Integration in die Lehre

ML-Einheiten sollen keine Lehrveranstaltung ersetzen, sondern diese vielmehr unterstützen oder ergänzen. Daher können sie auf ganz verschiedene Weisen in die Lehre an der Universität integriert werden.

ML-Einheiten können als regelmäßige Aufgaben oder Wissensvermittlung zur Wiederholung die Lehrveranstaltung begleiten. Die Studierenden bearbeiten außerhalb der Veranstaltung Aufgaben zu von Lehrenden vermittelten Inhalten. Einheiten können darüber hinaus auch weiterführend zusätzliches Wissen vermitteln, das über die Inhalte der Präsenztermine hinausgeht. In der invertierten Anwendung kann in ML-Einheiten neues Wissen vor der eigentlichen Lehrveranstaltung angeeignet werden. In der anschließenden Präsenzveranstaltung haben die Studierenden eine Wissensbasis, die angewandt und auf der diskutiert werden kann.

Wenn ML-Einheiten so erstellt werden, dass sie für mobile Endgeräte optimiert sind, profitieren Studierende davon, ihre Zeit effizient zum Lernen nutzen zu können. So können sie in der U-Bahn oder im Bus, zwischen zwei Uni-Veranstaltungen, aber auch im Wartezimmer jederzeit mit ML-Einheiten mobil lernen.

In unserer Net[t]working-Veranstaltung war es uns besonders beim Thema “Referate 2.0” wichtig, darauf zu verweisen, dass auch Studierende die Möglichkeit haben, mit Microlearning-Einheiten ihre eigenen Präsentationen digital mit kleinen Einheiten anzureichern. Ebenfalls war es uns wichtig, das Thema “Handouts” anzusprechen. Diese landen oftmals im Collegeblock oder im Müll, ohne dass jemand noch einmal darauf schaut. Wir haben uns überlegt, dass es eine aktivierende Abwechslung sein könnte, wenn die Referierenden stattdessen Microlearning-Einheiten bauen. Da ML-Einheiten zeitlich und inhaltlich fokussierte, interaktive Lerneinheiten sind, können sie bei Bedarf auch mehrmals in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden. Die Vortragenden können den referierten Stoff noch einmal aufarbeiten und die Zuhörenden im Anschluss ihr Wissen prüfen und, wenn etwas vergessen sein sollte, wieder auffrischen.

Dafür eignet sich zum Beispiel Quizizz, eine Seite, auf der kostenlos Quizze erstellt und gespielt werden können. Die Studierenden können hier ihr Referatsthema in ein Quiz verpacken, das dann wiederum zu jeder Zeit und an jedem Ort beantwortet werden kann. Wer als Alternative bei Moodle bleiben möchte, kann die vielen Funktionen von H5P nutzen.

Eine Praxisphase darf nicht fehlen

Im Anschluss an unsere Präsentation konnten die Gäste in der Praxisphase verschiedene Tools für Umfragen und ML-Einheiten ausprobieren. Auch hier zeigte sich wieder, dass Mitmachen die beste Möglichkeit ist, um Menschen zu begeistern. Unsere Teilnehmer/innen schauten sich die Voting-Tools Kahoot! und Mentimeter an oder machten sich mit den Möglichkeiten der LernBar oder Quizizz vertraut (alle Links siehe weiter unten). Dabei haben wir nicht nur Fragen zu den Funktionsweisen der einzelnen Tools beantwortet. Es kam auch zu Diskussionen darüber, ob interaktive Referate zum Beispiel langfristig(er) wirken können als herkömmliche.

Möchten Sie Ihre Studierenden “fit” machen mit unseren Microlearning-Einheiten?

Wie man ein Referat interaktiv gestaltet oder welche Tools man dafür verwenden kann, können Studierende der RUB bei uns erfahren. Wir werden in Zukunft Veranstaltungen anbieten, in denen wir Studierenden die für interaktive Referate notwendigen Fähigkeiten vermitteln wollen. Gerne beraten wir dazu aber auch individuell. Wenden Sie sich bei Interesse bitte an escouts+ml@rub.de.

Die begleitende PowerPoint-Präsentation der Net[t]working-Veranstaltung findet Sie hier:

Nettworking_Referate_2_0_2019